Wirtschaft trifft Wissenschaft. Innovationspreis des Netzwerks ZENIT e.V. vergeben

Exakt 66 hoch interessante Wettbewerbsbeiträge waren im Rahmen des bereits zum siebten Mal ausgeschriebenen Innovationspreises des Netzwerks ZENIT  e.V. Ende letzten Jahres eingegangen. Eine Zahl, mit der im Vorfeld der Ausschreibung niemand gerechnet hatte. Unter dem Motto „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ wurden NRW-weit innovative Produkte und Verfahren gesucht, die in Kooperation eines mittelständischen Unternehmens mit einer Hochschule oder Forschungseinrichtung entwickelt worden waren. Erste wirtschaftliche Erfolge sollten schon vorhanden bzw. zu erwarten sein.


ZENIT e.V.-Vorsitzener Dr. Otmar Schuster (links) mit den Finalisten


Roland Damann, Laudator und Sieger des Innovationspreises 2012

Weil die Qualität der eingereichten Beiträge außergewöhnlich hoch war, wurden am 25. Februar gleich fünf Projekte ausgezeichnet. Sieger des mit 10.000 Euro dotierten Innovationspreises 2015 ist die Rubotherm GmbH aus Bochum. Der Spezialist für analytische Messgeräte und Laboranlagen erhielt den Preis für die Entwicklung einer absolut innovativen Nanowaage gemeinsam mit der ETH Zürich. Beeindruckt zeigte sich die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Eberhard Menzel, Präsident der Hochschule Ruhr West, auch von den seit Gründung des Unternehmens bestehenden intensiven Kooperationen mit Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt. Viele der heute den Standard bestimmenden Rubotherm-Produkte wurden von Wissenschaftlern für ein neues Forschungsthema initiiert und als Ergebnis solcher Kooperationen entwickelt. Auszeichnungen erhielten die Scheideler Verfahrenstechnik GmbH aus Haltern am See, die iEXERGY GmbH aus Münster, die VeroMetal GmbH aus Übach-Palenberg und das Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen mit ihren jeweiligen Kooperationspartnern. Alle fünf Finalisten können sich über eine einjährige kostenlose Mitgliedschaft im Netzwerk ZENIT e.V. freuen.


Die Sieger: Dr. Hans Wilhelm Lösch (links) und Dr. Cornelia Will von Rubotherm mit Dr. Heinrich Baur von der ETH Zürich

Ausgezeichnet wurden die Kooperationsprojekte vor rund 100 Gästen durch den Vorsitzenden des Netzwerks, Dr. Otmar Schuster, die Laudatio hielt der Innovationspreisträger des Jahres 2012, Roland Damann von der Firma enviplan Ingenieurgesellschaft. Zuvor hatte der bekannte Makroökonom und Strategieberater Dr. Daniel Stelter in seinem Vortrag „Mit Innovationen aus der Krise“ die nationale und globale Schuldensituation beleuchtet. Innovationen seien dabei ein wichtiger Baustein, diese zu überwinden, die Schulden selbst allerdings blieben davon allerdings weitgehend unberührt. Dafür müssten noch andere Instrumente entwickelt werden.


Knapp 100 Gäste waren der Einladung gefolgt

Innovationskraft stärken

Das diesjährige Wettbewerbsthema „Wirtschaft trifft Wissenschaft“ war gewählt worden, um den großen Beitrag aufzuzeigen, den nordrhein-westfälische Akteure für die Bereiche Innovation und Wachstum leisten. Das Thema, so Damann in seiner Laudatio, unterstreiche auch die Wichtigkeit, aus guten Ideen marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die dazu beitragen, den Wirtschaftsstandort NRW zu stärken und innovative Arbeitsplätze zu sichern. In diesem Zusammenhang sei es sehr zu begrüßen, dass das Land Anfang des Jahres für die kommenden fünf Jahre über die Initiative „HochschulStart-up.NRW“ rund 70 Millionen Euro zur Förderung des Austausches von Wissen und Technologien zwischen Hochschulen und Unternehmen bereit stelle. Positiv sei auch die wachsende Zahl strategischer Partnerschaften zwischen Akteuren aus Wissenschaft und Wirtschaft. Dies fördere den Abbau von Sprachbarrieren zwischen Wissenschaftlern und Unternehmensvertretern und stärke das gegenseitige Vertrauen. Die Darstellung von Best-Practice-Beispielen und die Verleihung eines Preises für herausragende Kooperationen sei ein wichtiger Baustein in der Stärkung der Innovationskraft unseres Landes. Der Innovationspreis trage dazu bei, Innovationen anzuregen, Innovationen in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, Innovationen und Innovatoren zu würdigen, innovative Firmen zu vernetzen und aus Innovationserfolgen zu lernen.



Rubotherm und ETH Zürich: Vom Wiegen des Nichts
Was heute noch zu den Top-Produkten im Bereich des Wiegens gehört, könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Dabei sind die Bochumer schon heute Monopolisten in der Produktion von Magnetschwebewaagen, den momentan wohl besten Messgeräten für die industrielle und akademische Forschung. Der Rubotherm GmbH gelang in Zusammenarbeit mit Dr. Heinrich Baur vom Institut für Isotopengeologie und Mineralische Rohstoffen der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, kurz ETH,  die Entwicklung einer Nanowaage, der Experten die Revolutionierung der Wiegetechnik bescheinigen. Noch ist die knapp 40 Mitarbeiter zählende, 1990 aus der Ruhr Universität Bochum heraus gegründete Firma bei der Produktion ihrer Magnetschwebewaagen auf die Zulieferung konventioneller Waagen angewiesen. Die werden bei der neuen Nanowaage nicht mehr benötigt. Das Schwebesystem arbeitet berührungslos. Weil auf den Einbau konventioneller Waagen verzichtet werden kann, sollten sich, so Rubotherm-Geschäftsführer Dr. Hans Wilhelm Lösch die Preise zukünftig nach unten bewegen. Für das Unternehmen sei dies eine positive Entwicklung, da sich damit auch Abnehmer, denen die Systeme bislang zu teuer waren, das Messen von allerkleinsten Mengen leisten könnten. Drei der absoluten Hightech-Geräte gibt es bereits. Eingesetzt werden sie unter anderem im Forschungsbereich zur Bestimmung von Sternenstäuben, der Datierung von Gesteinsproben und überall dort, wo die Erfassung geringster Masseänderungen eine große Rolle spielt. Für solche Spezifizierungen arbeitete das Unternehmen unter anderem auch mit der Ruhr Universität Bochum zusammen. Je nach Maximallast kann mit einer Auflösung von bis zu 1 ng genau gewogen werden. Das entspricht dem 10.000stel des Gewichtes eines 2 mm langen Haares. Abhängig von der jeweiligen Anwendung beträgt die Druckeinsetzbarkeit bis 1000 bar, das Tausendfache unseres Atmosphärendrucks. Neben der unglaublichen Messgenauigkeit ist das System auch robuster als bisherige Modelle. Weil der filigrane keramische Schwebekörper magnetisch weich gelagert ist, können selbst äußere Erschütterungen keinen Schaden anrichten.  



iExergy und diverse Hochschulen: Herstellerunabhängige
Hausautomation
Begriffe wie Smart-Home oder vernetztes Haus sind in aller Munde. Und wer träumt nicht von mitdenkenden Systemen, die unser Wohnen sicherer machen, die Energiekosten senken oder uns lästige Gänge abnehmen? Das 2011 aus der FH Münster heraus gegründete Unternehmen iExergy GmbH bietet ganzheitliche Lösungen zur smarten Vernetzung von Häusern. Das tun mittlerweile zwar viele Anbieter, neu aber ist, so Geschäftsführer Arne Feldmeier, dass dies vollkommen herstellerunabhängig passiert. Die Kommunikation unterschiedlichster Geräte sei damit ebenso wenig ein Problem wie verschiedene Funkstandards. „Ohne die Unterstützung der FH Münster wäre die Entwicklung der Lösung allerdings kaum möglich gewesen“, ist sich der junge Firmenchef sicher. Auch mit der Hochschule in Dortmund arbeite man zusammen und habe insgesamt bereits mehr als 20 Abschlussarbeiten betreut. Die von dem heute über 30 Mitarbeiter großen Unternehmen entwickelte Lösung, die ab März 2015 unter dem Namen „wibutler“ vermarktet werden wird, macht sowohl kleine Automationsprojekte als auch das vollausgestattete vernetzten Zuhause möglich. wibutler verknüpft dabei smarte Produkte vieler verschiedener Hersteller und macht sie über eine App steuerbar. Jeder Nutzer kann damit flexibel wählen, welche Produkte eingesetzt werden sollen, ob er sie selbst hinzufügt oder vom Fachmann installieren lässt. Einige Produkte wird der Nutzer online kaufen können, andere, eher komplexe bzw. sicherheitsrelevante Produkte, wird es über das Handwerk geben. Mit letzterem strebt die Münsteraner Hard- und Softwareschmiede deshalb eine intensive Kooperation an. Entsprechend dem Unternehmenscredo, Wissen teilen zu wollen, können Nutzer, Handwerk und Industrie eine Online-Plattform zum Wissensaustausch nutzen. Welches Potenzial man dem Produkt zutraut, lassen millionenschwere Minderheitsbeteiligungen aus der Haustechnikbranche und der frühzeitige Anteilseinstieg der FH Münster erahnen.    


ZENIT-Geschäftsführer Dr. Herbert Rath (rechts)

Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV) und Krallmann Gruppe: Weniger ist manchmal mehr
Kaum ein Bereich des täglichen Lebens kommt heute ohne Elektronik aus. Selbst beim Joggen ist sie über die allgegenwärtigen Sportleruhren präsent. Die Herstellung elektronischer Produkte ist in der Regel zeit-, ressourcen- und energieintensiv. Viele Fertigungsschritte werden benötigt, um Komponenten wie Metalle und Kunststoffe miteinander zu verbinden. Das Institut für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen konnte mit Unterstützung des Werkzeugbauers Krallmann Gruppe aus dem ostwestfälischen Hiddenhausen in einem Forschungsprojekt ein Verfahren entwickeln, das es ermöglicht, auch in einem Hochlohnland wie Deutschland elektrisch leitfähige Kunststoffbauteile im Spritzgießverfahren in Serie herzustellen. Beim so genannten Integrierten Metall/Kunststoff-Spritzgießen, IMKS, kombinieren die Akteure das Spritzgießen von Kunststoffen mit dem Druckgießen von Metallen. Das Bauteil kann damit  in nur einer Maschine hergestellt werden, was einen wichtigen Beitrag zum ressourcenschonenden Materialeinsatz bedeutet. Prof. Christian Hopmann, Leiter des Instituts an der RWTH, ist vom Erfolg der Kooperation überzeugt: „Es konnte letzten Endes nicht weniger als die Umsetzung einer grundlagenorientierten, wissenschaftlichen Arbeit in eine industriereife, kommerziell erhältliche technologische Lösung erreicht werden, die derzeit bereits massiv Einzug in Zukunftsbranchen wie der LED-Technologie hält.“ Zum Erfolg werde auch beitragen, dass sich das IMKS problemlos in bestehende Produktionsanlagen integrieren lasse. Wegen der intensiven Zusammenarbeit der Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft verstehen sich die Akteure mittlerweile als kompetente Ansprechpartner für alle Anfragen rund um die vielversprechende Alternative für die Herstellung von Kunststoffbauteilen für elektrische und elektronische Anwendungen.


ZENIT-Prokurist Dr. Bernd Janson (links)

Scheideler Verfahrenstechnik, AquaLytis und TU Berlin: CO2 gegen Weichtiere
Eigentlich will man gar nicht so genau wissen, was sich in unseren unterirdischen Trinkwasserleitungen alles tummelt, und schließlich gehört Wasser zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln in Deutschland. Aber manchmal ist es einfach offensichtlich: Die Leitungen bieten Lebensraum für verschiedene wirbellose Tiere, von denen die meisten nicht sichtbar aber dennoch unerwünscht sind. Da der Einsatz von Pestiziden heute verboten ist, mussten zu deren Bekämpfung neue Lösungen her. Diese fand das Kompetenzteam „Invertebraten (Kleintiere) im Trinkwasser“, zu dem die Scheideler Verfahrenstechnik GmbH aus Haltern am See, das Unternehmen AquaLytis aus Wildau in Brandenburg und das Fachgebiet Wasserreinhaltung der Technischen Universität Berlin gehören. Im Rahmen zweier Forschungsprojekte fand man auch ein Gegenmittel für die ungeliebten Wasserasseln. Die selbst ohne Mikroskop auszumachenden Tierchen können sich festkrallen und sind deshalb durch normale Rohrleitungsspülungen nicht zu bekämpfen. Das Gegenmittel heißt CO2-Spülung. Dank der Kohlensäure werden die ungeliebten Kleinstlebewesen narkotisiert und anschließend über einen Hydranten ausgespült. Über den wird auch im Vorfeld festgestellt, ob es überhaupt einen Befall und die Notwendigkeit zum Handeln gibt. Auch das Verfahren zur Erfassung und der Bewertung des Vorkommens der Organismen, zum Beispiel über die ausgeschiedenen Kotmengen, gehörte zum Forschungsprojekt. Das Problem, so Scheideler-Geschäftsführer Michael Scheideler und Dr. Günter Gunkel von der TU Berlin, werde sich durch den Klimawandel zukünftig verschärfen. Schließlich trage wärmeres Wasser zur häufigeren Fortpflanzung bei. Ein Thema, mit dem sich die Wasserversorger wohl oder übel beschäftigen werden müssen.    


Nahmen die Auszeichnungen vor: Roland Damann von der enviplan Ingenieurgesellschaft und Dr. Otmar Schuster


VeroMetal und FH Bielefeld: Heavy metal light
Geht es um Serienanfertigungen in der Formen- und Werkzeugbranche, werden oft massive Aluminiumformen oder für besonders großen Teile leichtere Kunststoffformen verwendet. Beides hat Vor- und Nachteile. Um eine Optimierung bestehender Lösungen kümmern sich das Unternehmen VeroMetal aus Übach-Palenberg und die FH Bielefeld. Kennengelernt hatte man sich, als Prof. Dr. Herbert Funke, damals noch an der TU Dortmund tätig, nach einem Unternehmen suchte, das für Rotorblätter eines Windrades eine besondere Beschichtung herstellen konnte. Der im Rahmen der Kooperation gemeinsam entwickelte metallische Schutz mit dem Produktnamen VeroMetal® MoudProtect besteht zu 95 Prozent aus Metallpulver. Durch dessen Vermischung mit einem Binde- und Reaktionsmittel entsteht ein kaltes Flüssigmetall, das gegossen, gespachtelt oder mithilfe eines speziellen Spritzverfahrens auf beinahe jeden Untergrund aufgetragen werden kann. Damit ist es heute möglich, Formen zu produzieren, die die positiven Eigenschaften beider Formenbauwesen vereinen: Mit VeroMetal® MoudProtect lassen sich Oberflächen in Kunststoffformen herstellen, die aus echtem Metall bestehen und in besonderem Maße widerstandsfähig gegenüber möglichen Schäden sind. Die auf diese Weise hergestellten Formen sind aus leichtem Kunststoff, verfügen aber über eine metallische Oberfläche, die die hochwertigen Eigenschaften eines Gussmetalls mit sich bringt. So schützt das Produkt die Kunststoffformen vor Abrieb, Ausbrüchen oder Rissen und verlängert ihre Lebensdauer gegenüber bisherigen Verfahren signifikant. Laut VeroMetal-Geschäftsführer Robert Beckers und Prof. Funke ist das Verfahren international einmalig und habe entsprechend großes Potenzial. Zu den Kunden zählen u. a. bereits die Windindustrie und Surfboardhersteller.    


Dr. Heinrich Baur von der ETH Zürich


Laudatio


Vom Querdenker zum Preisträger: WDR-Internetbeitrag


Ausschreibungs-Flyer

 
Das Gewicht von Sternenstaub. Beitrag aus der westen.de vom 21. März 2015


Kontakt:
ZENIT GmbH/Netzwerk ZENIT e.V.
Anja Waschkau/Simone Stangier
Telefon: 0208 30004-43/75
E-Mail senden