20.10.2014 00:00

172. Unternehmertreff mit Dr. Arndt Neuhaus, Vorsitzender des Vorstands der RWE Deutschland AG

"Energiewende - Möglichkeiten der Stromversorger"


Wer beim 172. Unternehmertreff des Netzwerks ZENIT e.V. am 20. Oktober erwartet hatte, dass der Gastreferent ein Klagelied auf die Energiewende anstimmen würde, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Dr. Arndt Neuhaus, Vorsitzender des Vorstandes der RWE Deutschland AG, zeigte sich zuversichtlich, die Energiewende zu meistern. Leider habe die Branche das dynamische Wachstum regenerativer Energie zu lange unterschätzt, was für die großen Energieversorger zu einer schwierigen Ertragslage geführt habe. Zum Gelingen der Energiewende sei eine sehr enge Kooperation zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft wichtig. Zentrale Aufgaben der Zukunft seien die Speicherung des durch regenerative Energien erzeugten Stroms und die Sicherstellung der Netzstabilität. Eine wichtige Rolle für den Erfolg des Vorhabens spielten auch die Endverbraucher, da viele Verbraucher heute auch Erzeuger seien. In Mülheim an der Ruhr arbeite man daher an einem Pilotprojekt, das unter dem Namen „Smart-E“ untersucht, wie selbst erzeugter Strom im Ein- und Zweifamilienhaus gespeichert und anschließend im Elektroauto verwendet werden kann, ohne den Strom über das Netz transportieren zu müssen.
  
Die Kernpunkte der Energiewende, wie eine dezentrale Erzeugung des Stroms und das Nord-Süd-Gefälle von Stromerzeugung und -verbrauch haben, so Neuhaus, zu einem fundamentalen Wandel des Energieversorgungssystems geführt und seien schwer bis unmöglich umzukehren. Schon heute lieferten regenerative Energien wie Windkraft, Solarenergie und Wasserkraft rund 27 Prozent des Stroms in der Bundesrepublik Deutschland. Das von der Politik ausgegebene Ziel, bis zum Jahr 2020 den Wert auf 35 Prozent zu steigern, sei technisch zwar zu schaffen, bedeute für die großen Stromerzeuger aber auch Umsatzeinbußen. Unter anderem das Medieninteresse und die Regulierung der Politik zeigten, dass die Energiewende nicht einfach „nebenbei“ vollzogen werden könne. Allerdings hätte er sich dafür ein etwas geringeres Tempo gewünscht.  Dennoch sei sie wichtig und richtig und biete auch dem Mittelstand eine Chance, aus den intelligenten Netzen mit innovativen Lösungen zu profitieren. Während man in der Vergangenheit häufig Unternehmen zugekauft hätte, kooperiere RWE heute eher mit diesen.

Die Energiewende als Ganzes könne man aber als Paradebeispiel für andere Länder verstehen;  Deutschland solle sich als Vorreiter einer modernen Energieinfrastruktur präsentieren. Da sowohl konventionelle als auch regenerative Kraftwerkstypen in naher Zukunft parallel betrieben werden müssten, bedeute dies für die Verbraucher allerdings keine absehbaren Preissenkungen.

Seit Januar 2011 Vorsitzender des Vorstandes der RWE Deutschland AG