29.10.2012 10:00

158. Unternehmertreff: Prof. Ferdi Schüth „Energiewende in Deutschland: Herausforderungen und Chancen für die Technologieentwicklung“

Max-Planck-Institut für Kohlenforschung


Die Energiewende in Deutschland ist mit vielen Risiken verbunden, denen mit technologischer Entwicklung begegnet werden muss. Dies ist die Kernaussage von Prof. Dr. Ferdi Schüth, Leiter des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim, der am vergangenen Montag als Gast des 158. Unternehmertreffs der ZENIT GmbH referierte.

Die „kleine“ Energiewende, also das Abschalten der jetzigen Atomkraftwerke bis 2022 sei durch heutige Technologien beherrschbar. Die Netzbetreiber seien hierauf schon seit dem ursprünglichen Ausstiegsbeschluss der rot-grünen Bundesregierung vorbereitet gewesen. Die „große“ Energiewende jedoch, also der Ausbau der Erneuerbaren Energien und die Verdrängung der fossilen Brennstoffe, seien mit heutigen Technologien nicht zufriedenstellend zu bewerkstelligen. Alt bekannte Probleme stellten hierbei die nicht vorhandene Grundlastfähigkeit der Erneuerbaren Energien dar. So sei z.B. 94% der Windkraft nicht gesichert, d.h. es kann zu 94% nicht gesagt werden ob zum Zeitpunkt des Stromverbrauchs auch Windenergie generiert wird. Dies wiederum habe Auswirkungen auf die notwendigen Speicherkapazitäten und die Netzstabilität. Energiespeicherung und Netzausbau seien also die dringendsten Aufgaben, um auch in Zukunft Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Hinzu kämen neben technologischen Innovationen auch soziale Innovationen, so z.B. eine zunehmende Planung auf europäischer Ebene. Generell müsse in Zukunft nicht nur auf den Ausbau Erneuerbarer Energien geschaut werden, sondern vor allem auf eine effizientere Nutzung bereits vorhandener Quellen. Auch müsse sich jeder bewusst machen, dass auf fossile Brennstoffe auch in den nächsten Jahrzehnten nicht verzichtet werden könne. Hier müsse jedoch der „richtige“ fossile Brennstoff genutzt werden, so ist z.B. Erdgas/Methan im Vergleich zur Kohle wesentlich CO2-freundlicher. Auch unkonventionelle Speicher von fossilen Brennstoffen, wie z.B. auf dem Grund der Ozeane, seien Quellen, die heute noch nicht zugänglich seien.