05.07.2013 00:00

163. Unternehmertreff: Prof. Dr. Kai Carstensen „Deutsche Konjunktur im Zeichen der Eurokrise“

Ifo Institut, München


 

Viele Unwägbarkeiten bestimmen die zukünftige Entwicklung der deutschen Wirtschaft, die Chance für einen Aufschwung ist allerdings größer als für einen Abschwung. So der Tenor des Vortrags von Prof. Dr. Kai Carstensen vom Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) München, der am 5. Juli 2013 im Rahmen des 163. Unternehmertreffs des Netzwerks ZENIT e.V. referierte. Der ifo-Index, der regelmäßig die Einschätzung der gesamtwirtschaftlichen Lage durch Unternehmer misst, ist ein bekannter Gradmesser der wirtschaftlichen Stimmung.

Die größte Unsicherheit für die Weltwirtschaft und somit auch die deutsche Wirtschaft liege vor unserer Haustür: „Der Euroraum ist und bleibt konjunkturell das weltweite Sorgenkind. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich davon ab, ob der Durchhaltewille der südeuropäischen Länder zu wirtschaftlichen Reformen politisch durchsetzbar ist“, so Prof. Carstensen. Die in Boomphasen hochgeschnellten Löhne und Preise müssten in diesen Ländern sinken, um die dortigen Volkswirtschaften wieder wettbewerbsfähig zu machen. Dieser Prozess sei allerdings naturgemäß schmerzhaft und politisch schwer zu vermitteln. Ein weiterer externer Faktor sei die Kreditblase in China, die –falls sie platzen sollte – große negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben werde.

Intern jedoch sei die deutsche Wirtschaft gut aufgestellt und für die Zukunft gerüstet: Strukturelle Reformen würden früher als anderswo angegangen, die Absatzmärkte der deutschen Wirtschaft lägen vermehrt außerhalb Europas und seien somit weniger von der wegbrechenden Nachfrage im Euro-Raum betroffen. Darüber hinaus sei der Arbeitsmarkt robust, Deutschland attraktiv für ausländisches Kapital, der private Konsum stabil und Finanzierungs- und Kreditbedingungen für heimische Unternehmen historisch günstig.

Die Talsohle der Weltwirtschaft scheine – auch durch moderate Wachstumszahlen aus den USA – durchschritten zu sein. Die Rezession in der Euro-Zone könne somit bei günstigen Rahmenbedingungen ab 2014 überwunden werden.

Ein Ende des Euros ist nach Meinung Prof. Carstensens eine politisch wenig realistische Option. Bei mehr zentraler Steuerung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sei hingegen entscheidend, dass Risikohaftung und Entscheidungsgewalt in einer Hand liegen.