Innovationspreis 2000
NRW-Wirtschaftsminister Schwanhold ehrt Sieger und Preisträger

Die Entscheidung über den erstmals verliehenen Innovationspreis des Trägervereins ZENIT e.V. fiel im Oktober. Die vierköpfige Jury wählte aus knapp einhundert Einsendungen fünf Projekte aus, denen sie einen herausragenden Innovationsgrad bescheinigte. Den ersten Preis und damit das Preisgeld von 20.000 D-Mark teilen sich die mnemoScience GmbH aus Aachen und die GEN-IAL GmbH aus Troisdorf. Weitere Preisträger sind die Unternehmen Imecotec aus Siegen, MK Metallfolien aus Hagen und aixACCT Systems aus Aachen. Gewinner und Preisträger wurden am 23. November 2000 im Rahmen des 69. Unternehmertreffs des Trägervereins durch den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold geehrt.
 

Die Sieger
Die Firma GEN-IAL hat in engem Dialog mit den Qualitätsleitern großer Brauereien eine Schnellanalysetechnik für den Nachweis bakterieller Bierverunreinigungen entwickelt, die mit erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen gegenüber den bisherigen Verfahren verbunden ist. Basis des Verfahrens ist eine schnelle und selektive DNA- bzw. Erbgut-Analyse der aus dem Bier abfiltrierten und entsprechend aufbereiteter Bakterien.
Ergebnisse, die bisher mehrere Tage benötigten, liegen nun in wenigen Stunden vor. Der Brauprozess kann somit kurzfristig beeinflusst und die Auslieferung von verunreinigtem Bier rechtzeitig verhindert werden. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet und auch auf andere Getränke übertragbar. Die Vermarktung erfolgt in Form eines Analyse-Kits, der die benötigten Reagenzien enthält, und wird begleitet durch firmeneigene Schulungsprogramme. Bei täglich ca. 100 Proben in großen Brauereien und der anhaltend großen Beliebtheit des hier erzeugten Getränks kann bereits bei diesem ersten Anwendungsfall von positiven Markterwartungen ausgegangen werden.
 
Hauptzielrichtung des Innovationsprojektes der Firma mnemoScience ist der Einsatz eines intelligenten Werkstoffs in der Medizintechnik und in anderen Technikbereichen. Es handelt sich hierbei um biokompatible und bioabbaubare Form-Gedächtnis- bzw. Shape-Memory-Polymere. Letzteres sind Kunststoffe, in denen neben ihrer aktuellen, temporären Form eine zweite, permanente Form gespeichert ist, die sie dann annehmen, wenn z. B. eine bestimmte, werkstoffabhängige Temperatur erreicht ist. Bei dieser Temperatur verwandelt sich z. B. ein bisher gerader Kunststoffstab in einen  Haken oder eine Spirale, wenn ihm diese Form vorab eingeprägt wurde. Als intelligente, mit minimalinvasiver Chirurgie einzubringende Körper-Implantate können Bauteile dieser Art, ausgelöst durch Temperaturen in der Größenordnung der Körpertemperatur, z. B. in Spiralform Adern weiten oder als Klammern oder Stopfen Wundlöcher verschließen. Da sie biologisch abgebaut werden, ist keine zweite Operation zur Entfernung der Implantate erforderlich. Die Technologie basiert auf einem von Herrn Dr. Lendlein bei einem Forschungsaufenthalt in den USA mitentwickelten Grundlagen-Patent des MIT. Mit Hilfe eines internationalen Venture-Capital-Verbundes aus vier Ländern wird diese Technologie nun in Form von Firmenkooperationen, Sub-Lizensierungen und der Herstellung nicht medizinischer und medizinischer Produkte schrittweise in den Markt eingeführt.

Die prämierten Unternehmen
Die Firma MK Metallfolien GmbH, Hagen, vertreten durch ihren Geschäftsführer Herrn Cloppenburg, wird geehrt für ein Verfahren zur Herstellung extrem dünner Metallfolien im Bereich von 3 – 5 Hundertstel mm (ca. 1/3 der normalen Papierstärke). Aus diesen Folien werden metallische Abgaskatalysatoren für Kraftfahrzeuge hergestellt, die deutliche Vorteile gegenüber den konventionellen Katalysatoren auf Keramik-Basis aufweisen.

Die Firma Imecotec GmbH, Siegen, vertreten durch ihren Geschäftsführer Herrn Sauer hat ein innovatives, kostengünstiges und umweltverträgliches Verfahren zur metallischen Beschichtung von Struktur- und Funktionsbauteilen aus Kunststoffen, vorwiegend aus CFK, entwickelt. Diese Bauteile haben große Vorteile dort, wo es um eine Kombination der spezifischen Festigkeitseigenschaften der Metallbeschichtung mit der Leichtbauweise durch den eingesetzten Kunststoff geht.

Die Firma aixACCT Systems GmbH, Aachen, vertreten durch ihren Geschäftsführer Herrn Tiedke hat das erste modulare Meßsystem zur Charakterisierung von Elektrokeramiken im Rahmen der Chip-Fertigung entwickelt. Durch diese Elektrokeramiken wird in Zukunft eine Erhöhung der Integrationsdichte bei Speicherbausteinen um etwa den Faktor 50 möglich. Das neue Meßverfahren entspricht den extremen Anforderungen dieser Materialien und erlaubt durch seine intelligente Gerätekonzeption eine Steigerung der bisher üblichen Meßgenauigkeit um den Faktor 64.